Interview mit einem Journalisten

Schüler*innen der Sozi_Leistungskurse 12 und 13 lernen journalistische Arbeit kennen

Ein Bericht von Jana Meffert, Mirja Völkel und Ronja Neumann

In den Leistungskursen Sozialkunde der MSS 12 und 13 haben wir uns unter anderem mit den sogenannten Querdenker*innen beschäftigt. Nachdem wir uns zu Querdenker-Demonstrationen Videos angesehen haben, in denen immerzu das Wort „Lügenpresse“ fiel und die Reporter*innen vor laufender Kamera beschimpft wurden, hat unser Kurslehrer, Herr Tobias Buddendiek vorgeschlagen, dass wir uns mit einem Journalisten unterhalten und diesem ein paar Fragen stellen können.

Christian Palm ist ein mit unserem Kurslehrer befreundeter Journalist, der gleich zugestimmt hat, uns per Videokonferenz die Möglichkeit zu geben, ihm Fragen zu seinem Arbeitsalltag und den Vorwürfen der Querdenker*innen zu stellen. Er arbeitet als stellvertretender Online-Nachrichtenchef beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Aufgrund der momentanen Situation während der Covid-19-Pandemie war dieses Gespräch Im Dezember 2020 nur durch eine Videokonferenz möglich, die wir nach einigen technischen Problemen im Kursraum abhielten.

Unsere ersten Fragen bezogen sich auf seinen Alltag als Journalist und über den Beruf an sich. Dabei erfuhren wir, wer entscheidet, welche Nachrichten veröffentlicht werden und wie eine Recherche konkret abläuft.
Palm erklärte uns, dass es Routinen und Auswahlverfahren gebe, die bestimmen, welche Nachricht Priorität habe. Dabei komme es auch darauf an, wie wichtig besagte Nachricht sei und wie schnell sie veröffentlicht werden sollte. Dabei sind zum Beispiel Aussagen unserer Regierung wichtiger, als die aus anderen Ländern. Im Endeffekt entscheiden die Nachrichtenchef*innen, welche Nachricht veröffentlicht wird, da bei der heutigen Informationsfülle schon vorher eine Auswahl getroffen werden muss.

Schon an der Recherche eines einzelnen Themas seien viele Mitarbeiter*innen beteiligt, so Palm. Durch seriöse Quellen aus dem Internet oder durch Interviews versuchen diese Teams, an exklusive Informationen zu dem Thema zu gelangen. Die Fakten müssten auf Richtigkeit geprüft und die Quellen immer angegeben werden, damit eine Nachricht seriös ist. Durch die Quellenangaben haben die Leser*innen die Möglichkeit, bei Interesse oder Zweifeln die Informationen nachzuprüfen.

Dabei kam die Frage auf, ob es überhaupt möglich ist, einen Artikel vollkommen neutral zu verfassen, da eine gewisse Objektivität bei einer Berichterstattung gegeben sein sollte. Hierzu erklärte uns Palm, dass schon die Vorauswahl, welche Nachrichten veröffentlicht werden und welche nicht, einen Artikel oder eine Nachricht nicht mehr zu einhundert Prozent neutral machen. Jeder Meinungsbeitrag, in dem die Verfasser*in seine subjektive Meinung preisgibt, werde auch als solcher gekennzeichnet. Ansonsten sei vollständige Neutralität laut Palm nicht zu erreichen.

Palm erzählte uns außerdem von einigen interessanten Reportagen, bei denen er mitgewirkt hat. Er war zum Beispiel mit einem Hilfsverein, welcher Waisenkinder in Kenia unterstützt, vor Ort, um darüber zu berichten. Weiterhin berichtete er in einer Reportage über eine aus Bulgarien stammende Pflegerin, die in Frankfurt arbeitet und sehr wenig Geld verdiente. Für eine weitere Reportage fuhr Palm überall im Norden Deutschlands umher, wo es Atomkraftwerke gibt und unterhielt sich dort mit einigen Leuten, während ein Kollege durch den Süden fuhr. Momentan komme Palm weniger ins Schreiben, er verwalte als Nachrichtenchef eher die von anderen Journalist*innen geschriebenen Artikel.

 

Ebenfalls fragten wir ihn, wie er sich seine berufliche Zukunft vorstelle und ob er sich Sorgen darum mache. Als Festangestellter Journalist macht sich Christian Palm keine Sorgen um seine berufliche Zukunft. Er hält den Job für wichtig, auch wenn er nicht sagen kann, ob das für immer ist. Auch könne er sich vorstellen, irgendwann einmal etwas Anderes zu machen.

Heutzutage finanzieren sich Zeitungen immer mehr durch Online-Abos, so Palm. Die gedruckte Zeitung werde immer unattraktiver in der Gesellschaft.

Weitere unserer Fragen zielten auf mögliche Herausforderungen in seinem Beruf, sowie auf gewisse Vorwürfe gegenüber der Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit der Medien ab.
Beispielsweise fragten wir, ob Palm schon einmal aufgrund eines Artikels bedroht worden sei. Er antwortete, dass er aufgrund eines Berichts über die Zerstörung eines Zugabteils durch Fußballfans in einem Internetforum „unschöne Dinge“ über ihn geschrieben wurden.

Er selbst war noch nicht auf einer Querdenker-Demonstration, allerdings gebe es Kolleg*innen, die dort bereits bedroht oder sogar attackiert wurden.

Passend zum Thema Querdenker*innen und Vertrauenswürdigkeit der Medien fragten wir Palm, was er von der Bezeichnung „Lügenpresse“ hält, den rechte Gruppen häufig für Medien und die Presse verwenden.
Er erklärte, dass manche Menschen nicht für vernünftige Argumente zu erreichen seien, während sich andere mit gewissen Themen nicht genug auseinandersetzen. Dabei sind, wie bereits erwähnt, bei allen seriösen Artikeln stets die Quellen angegeben, um eine gewisse Transparenz zu ermöglichen, welche laut Palm im Bereich der Medien eine große Rolle spiele.

Zu diesem Thema wurde ebenfalls die Frage gestellt, was zu tun sei, wenn Autoritätspersonen in unserem Umfeld (hier konkret Lehrer*innen) die Existenz von Covid-19 leugnen und/oder sich nicht an die wichtigen, vorgegebenen Maßnahmen halten.

Palm riet uns, dass wir uns ausreichend informieren sollten, um für eine Diskussion gewappnet zu sein. Schweigen wäre keine Lösung. Gute Argumente könnten an den Maßnahmen oder an der Existenz des Virus zweifelnde Leute umstimmen. Weiter meinte er, dass jeder den Virus ernst nehmen sollte, da er bewiesenermaßen nicht wie ein Grippevirus sei und wir noch keinen wirksamen Schutz dagegen haben. Die Situation in schwerer betroffenen Ländern solle ein Indikator dafür sein, dass die Lage durchaus ernst ist.

Abschließend lässt sich unser Gespräch mit dem Journalisten und Nachrichtenchef Christian Palm als erfolgreich und sehr informativ einstufen. Die Schüler*innen aus den Sozialkunde Leistungskursen haben durch seine konkreten und persönlichen Antworten einen guten Einblick in den Berufsalltag eines Journalisten bekommen und wir können uns somit den Beruf als solches besser vorstellen.

Herr Palm berichtete von seiner ungestillten Neugier, die man unbedingt mitbringen sollte und von der Lust, neue Dinge /Themen kennenzulernen bzw. sich damit auseinanderzusetzen.

Jedoch müsse man auch mit viel Kritik umgehen können und sich an die ungewöhnlichen
Arbeitszeiten oder Arbeitsfelder gewöhnen.

 

 

 

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