Interview der 10.3 mit der Journalistin Miriam Palm am Donnerstag, den 25.02.2021

Ein Bericht von Charlotte Baumgartl und Rosalie Fischer

Am Donnerstag den 25.02.2021 hatten wir in unserer wöchentlichen Gesellschaftslehre/Deutsch-Videokonferenz Frau Miriam Palm zu Gast.

Sie ist hauptberuflich als Journalistin tätig und hat, in Intervallen, einige Zeit in Afrika verbracht. Dort unterstützte sie Projekte, die vor allem den ärmeren Menschen in Afrika helfen sollen. Da wir uns in den vorherigen Wochen schon ausführlich mit der Globalisierung und dem Label „Fairtrade“, was vor allem die Bauern in Entwicklungsländern wie zum Beispiel Kenia unterstützen soll, beschäftigt haben, bekamen wir somit die Möglichkeit, mit jemandem, der das alles hautnah miterlebt hat, zu sprechen. Vor der Konferenz, hatten wir die Aufgabe, uns ausführlich mit Kenia zu beschäftigen und Fragen über das Leben dort zu überlegen.

In Kenia leben ungefähr 52 Millionen Menschen. Davon gilt 1/3 als arm. Das heißt ohne ein gesichertes Einkommen, gesicherte Nahrung oder einer Schulbindung. Dazu erzählte sie uns, dass die Schulen dort, aufgrund der Corona-Pandemie, fast über ein Jahr komplett geschlossen waren und nachdem sie diesen Januar wieder öffneten, etwa eine Million Kinder nicht wieder zum Unterricht erschienen sind. Dies hat hauptsächlich zwei Gründe: entweder wurden sie zur Kinderarbeit gezwungen oder wurden von ihren Familien zwangsverheiratet.

Aber nicht alle Kenianer sind arm. In Afrika leben über 40.000 Millionäre. Dies bedeutet aber nicht, dass Afrika deutlich reicher ist, als wir denken. Denn diese Millionäre kapseln sich in den meisten Fällen komplett von ihrem Umfeld ab und unterstützen dieses finanziell eher selten.

 

Auch erzählte sie uns, dass die armen Menschen deutlich hilfsbereiter waren, als die Reichen.

Als sie zu Besuch bei einer Familie in den Slums war, bot ihr diese Familie Essen an, obwohl sie selbst kaum zu essen hatten. Daneben boten auch Fremde immer wieder ihre Hilfe an, indem sie sie zum Beispiel auf den Straßen von Nairobi immer begleiteten, da es für sie als weiße Frau dort nicht gerade ungefährlich ist. Sie bekam dort auch einige Heiratsanträge, weil die Menschen der Meinung sind Frau Palm sei reich, da sie aus Europa kommt. Die Schere zwischen Arm und Reich ist dort noch deutlich spürbarer als bei uns. Sie erzählte uns zum Beispiel, dass direkt neben den Slums, große Villen stehen. Die Hütten der Slums-Bewohner bestehen meistens aus Wellblech. Diese sind nicht groß, sodass sich dort eine vierköpfige Familie etwa 10qm Wohnfläche teilen muss. In den kenianischen Slums gibt es nicht wie in Deutschland für jedes Haus bzw. für jede Hütte eine Toilette, sondern dort teilen sich etwa 200 Menschen eine Toilette.

Sie zeigte uns Bilder von den Märkten der Slums und als Kontrast Bilder von einem sehr modernen Einkaufszentrum, welches für die reichen Menschen in Kenia errichtet wurde. Dort gibt es neben den Geschäften auch eine Art Vergnügungspark mit einem Riesenrad und mehreren Wasserrutschen. Diese Gegensätze gibt es überall in Kenia. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kenianer sehr digitalisiert sind, das heißt, dass sie, wie bei uns, schon sehr viel mit ihren Mobiltelefonen erledigen können. Zum Beispiel können sie bzw. müssen sie weitestgehend mit ihren Mobiltelefonen bezahlen.

Dann zeigte sie uns ein Bild von einem sehr modernen Bahnhofsgebäude. Wie sie berichtete, wurde dieses Gebäude von den Chinesen errichtet. Diese investierten schon seit ein paar Jahren immer häufiger in die afrikanische Infrastruktur. Die Chinesen sind in Afrika willkommene Sponsoren, da sie es mit den Menschenrechten und den Arbeitsbedingungen nicht so genau nehmen wie die Europäer.

Während ihres Vortrages durften wir Frau Palm alle Fragen stellen, welche sie uns beantwortete. Eine Frage war zum Beispiel, was ihr prägendstes Ereignis in Kenia war. Daraufhin erzählte sie von einem Mädchen, dessen Eltern verstorben waren und das deshalb zum Arbeiten verkauft wurde. Als es aus dem Haushalt rausgeholt wurde, sprach es kaum und war sehr ängstlich. Aber als Miriam Palms Mutter, die eine Patenschaft für die Waise eigegangen ist und sie finanziell unterstützt, das erste Mal zu Besuch nach Kenia kam, öffnete sich das Mädchen und umarmte sie aus Dankbarkeit.

 

 

Uns allen hat das Interview wirklich sehr gut gefallen, da es sehr informativ und abwechslungsreich war. In dem Vortrag konnten wir viele interessante Fakten und Informationen über Kenia lernen. Zum Beispiel wird dort nicht gerne gesehen, wenn jemand mit einer Plastikflasche in der Öffentlichkeit ist. Geschieht dies doch, droht der Person eine hohe Geldstrafe, genauso wie, wenn man versucht mit Plastik nach Kenia einzureisen.

Frau Palm bedankte sich für die vielfältigen Fragen und das große Interesse.

 

 

 

 

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